Symposium. Grenzen der Gleichheit: Bemerkungen über Fred HirschDahrendorf, Ralf
doi: 10.1515/zfsoz-1983-0104pmid: N/A
Zusammenfassung Fred Hirschs Analyse der „sozialen Grenze des Wachstums“ könnte man eine politische Ökonomie der Frustration nennen. Hirsch war nach Temperament und Überzeugung Sozialdemokrat; ihn schmerzte die Entdeckung, daß die Mittel des politischen Wandels, an die er geglaubt hatte, die von ihm gewollten Ergebnisse - mehr Gleichheit - am Ende nicht bewirken würden. Der Schmerz mag ihn weiter auf den Pfad der Frustration geführt haben, als nötig war. Hirschs Auffassung, daß positionelle Differenzen nicht verschwinden werden, ist zuzustimmen. Dahinter steht die Notwendigkeit von Herrschaft. Wo es Herrschaft gibt, gibt es Ungleichheit. Allerdings unterschätzt Hirsch die Bedeutung von Wandlungen der positionellen Ökonomie und damit der Formen sozialer Ungleichheit. So kann eine Veränderung des Systems der sozialen Schichtung oder der sozialen Mobilität die Ungleichheit zwar nicht abschaffen, wohl aber abmildern und erträglicher machen.
Grundlagen einer neuen Theorie der westlichen Industriegesellschaft: Fred Hirschs „Die sozialen Grenzen des Wachstums“Meyer, Thomas
doi: 10.1515/zfsoz-1983-0105pmid: N/A
Zusammenfassung Mit seinem Buch „Die sozialen Grenzen des Wachstums“ hat Fred Hirsch die Skizze einer interdisziplinären Theorie der gegenwärtigen westlichen Industriegesellschaften vorgelegt. Wesentliche gesellschaftliche Strukturprobleme, die bislang eher an den Rändern der zuständigen wissenschaftlichen Teildisziplinen sichtbar wurden, geraten dabei, ihrer Bedeutung entsprechend, in den Mittelpunkt der Analyse. So hat die eine der beiden von Hirsch analysierten sozialen Wachstumsgrenzen, die durch Überfüllung erzeugte „soziale Knappheit“ bestimmter Güter, eine ökonomische, politologische, soziologische und philosophische Dimension. Erst in ihrem Zusammenhang machen diese Dimensionen Ursachen und Folgen von Entwicklungsrisiken der westlichen Industriegesellschaft und Wege ihrer möglichen Lösung sichtbar. Hirschs Analyse des liberalistischen Dilemmas, daß gegenwärtig individuelle Ziele durch individualistisches Handeln immer weniger treffsicher erreicht werden können, führt zu einer „idealistischen“ Wende in der Sozialwissenschaft und möglicherweise auch in der Politik. Legitimationsfragen, so insbesondere die Frage der Gerechtigkeit, gewinnen für die Lösung zentraler Strukturprobleme nämlich erheblich an Bedeutung. Während vordem das Funktionieren gesellschaftlicher Systeme als Element ihrer Legitimation galt, zeigt Hirsch, wie zunehmend Legitimation Voraussetzung für erfolgreiches Funktionieren wird. Hirschs interdisziplinärer Ansatz eröffnet neue Wege für sozialwissenschaftliche Forschung und Aufklärung.
Einige Grundlagen und Begleiterscheinungen der Entwicklung der Sozialausgaben in Westeuropa, 1949-1977Alber, Jens
doi: 10.1515/zfsoz-1983-0109pmid: N/A
Zusammenfassung Der Artikel beschreibt und analysiert die Entwicklungsmuster der Sozialausgaben in 13 westeuropäischen Wohlfahrtsstaaten von 1949 bis 1977. Teil I beschreibt allgemeine Trends und nationale Variationen der sozialstaatlichen Entwicklung. Teil II untersucht, ausgehend von drei sozialwissenschaftlichen Theorietraditionen, einige Bedingungsfaktoren der Ausdehnung der Sozialausgaben. Marxistische Theorien werden im Licht eines Vergleichs der Sozialausgabenentwicklung in west- und osteuropäischen Ländern diskutiert. Soziale Kontrolltheorien in der Tradition Dürkheims werden durch die Analyse der Beziehungen zwischen der Entwicklung der Scheidungsraten und der Sozialausgaben getestet. Ein Vergleich der Veränderung der Sozialleistungsquote unter verschiedenen Regierungen dient schließlich als Test des Erklärungsmodells der politischen Soziologie. Teil III untersucht einige ökonomische Folgeerscheinungen der wohlfahrtsstaatlichen Entwicklung. Entgegen gängigen Kritiken des Wohlfahrtsstaats erweisen sich Länder, welche die Sozialausgaben stark erhöht haben, weniger von wirtschaftlichen Schwierigkeiten betroffen als Staaten, die den Anstieg der Sozialleistungen in engeren Grenzen hielten.