Lehren aus der Russischen Grippe für das Endspiel der derzeitigen Pandemie– die Exitstrategie für DeutschlandWeigl, Josef
doi: 10.1007/s11553-021-00882-5pmid: 40477258
ZusammenfassungHintergrundSeit dem Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie wurde in Deutschland noch nie eine konkrete Strategie formuliert. Einzelne Themen verselbstständigen sich immerfort und die Begründungen für den Lockdown, nämlich die Reduktion der Mortalität bei den vulnerablen Personen- und Altersgruppen und die Gefahr einer erhöhten Letalität bei Überlastung des Gesundheitswesens, allen voran der Intensivstationen, geraten aus den Fokus.MethodeAuf der Basis von Erkenntnissen, die bereits vor dieser Pandemie vorlagen und solchen, die bisher akkumuliert wurden, wird eine Refokussierung vorgenommen und eine Exitstrategie für Deutschland entwickelt.ErgebnisseDas eigentliche Ziel in der Pandemie ist, die Erstinfektion der Bevölkerung mittels Wildvirusinfektion oder Impfung möglichst schnell zu überwinden und die Herdenimmunitätsschwelle zu erreichen. Nur so kann dem Virus sein Gefahrenpotenzial genommen und eine neujustierte endemische Lage erreicht werden. Die Russische Grippepandemie 1889–1892 durch CoV-OC43, heute eine pandemische Narbe von damals, ist dazu das Modell. Die aktuell erfolgreiche Impfstoffentwicklung in nie dagewesener Geschwindigkeit ist eine historische Gnade.SchlussfolgerungenDie Russische Grippepandemie war die zuletzt größte Coronaviruspandemie. Nach einem Impfangebot an die vulnerablen Gruppen („Targetpopulation“) ist der Lockdown schnellst möglich aufzuheben, das Impfangebot für Erwachsene ohne etablierte Risikofaktoren fortzusetzen und parallel dazu der Rest der Bevölkerung schnellst möglich durchseuchen zu lassen. Trotz erfolgreicher Impfstoffentwicklung drängt die Zeit, um weiteren Verwerfungen vorzubeugen.
Die „gesunde Kommune“ im Lichte „großer Wenden“– ein sozialökologisch fundiertes Ziel kommunaler Gesundheitsförderung(KoGeFö)Schlicht, Wolfgang; Bucksch, Jens; Kohlmann, Carl-Walter; Renner, Britta; Steinacker, Jürgen; Walling, Fabian
doi: 10.1007/s11553-021-00889-ypmid: 40477813
ZusammenfassungHintergrundIn Kommunen wird die Gesundheit der Bewohner*innen durch Lebensumstände geschützt, gefördert oder gefährdet. Kommunale Gesundheitsförderung (KoGeFö) findet in und mit der Kommune statt. In der Kommune konzentrieren sich Programme und Maßnahmen auf Endpunkte der Morbidität und Mortalität. Die Krankheitslast soll reduziert, sowie die individuelle Lebensqualität gestärkt werden. Mit der Kommune will Gesundheitsförderung die „gesunde Kommune“ entwickeln.FragestellungWann ist eine Kommune „gesund“? Welche Absichten werden in der Gesundheitsförderung mit der Kommune jenseits von Programmen verfolgt, die auf die Reduktion der Inzidenz und Prävalenz nicht-ansteckender Erkrankungen zielen, indem sie die Bewohner*innen motivieren und unterstützen, sich gesundheitsfördernd zu verhalten?Material und MethodenVor dem Hintergrund „großer gesellschaftlicher Herausforderungen“ und mit Rückgriff auf sozialökologische Ansätze wird erörtert, was eine „gesunde Kommune“ ausmacht, worauf die Gesundheitsförderung mit der Kommune zielt.ErgebnisseDie „gesunde Kommune“ entwickelt sich in der intersektoralen Zusammenarbeit von Akteur*innen der Politik, von Verwaltungseinheiten, der Zivilgesellschaft und der Bewohner*innen. Die „gesunde Kommune“ ist als faire Umgebung gestaltet. Sie öffnet den Einzelnen Möglichkeitsräume für dessen Handeln und gewährt Verwirklichungschancen für persönlich wichtige Ziele.SchlussfolgerungDie bevorzugte sozialökologische Perspektive schärft den Blick für die dynamische Interaktion von Umwelt- und Personenfaktoren. Mit Fairness, Möglichkeitsräumen und Verwirklichungschancen sind drei Kriterien benannt, die sich als Gradmesser für den Endpunkt „gesunde Kommune“ einer Gesundheitsförderung mit der Kommune eignen.
Klimawandel und Gesundheit– klimabedingte Gesundheitsrisiken im deutschen SportSchneider, Sven; Eichinger, Michael; Anderson, Lilian; Leer, Sophie
doi: 10.1007/s11553-021-00876-3pmid: N/A
ZusammenfassungHintergrundViele Sportler:innen sind von klimabedingten Gesundheitsrisiken besonders betroffen. Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels sind auch hierzulande präventive Maßnahmen zum Schutz dieser Personengruppe von besonders hoher Relevanz. Dieser Beitrag gibt eine aktuelle Übersicht, inwieweit die deutschen Spitzenverbände Breiten- und Leistungssportler:innen über die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels auf ihren zentralen Verbandswebseiten informieren.MethodikIm Rahmen einer netnographischen Analyse wurden die Webseiten der 66 im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) organisierten Spitzenverbände mittels Schlagwortsuche analysiert. Die Inhalte wurden entlang der vom Robert Koch-Institut vorgeschlagenen Differenzierung in direkte und indirekte Folgen des Klimawandels gegliedert. Die doppelte und verblindete Sichtung erfolgte in KW46/20.ErgebnisseDie wenigsten im DOSB organisierten Spitzenverbände thematisieren auf ihren Webseiten sportartspezifische Gesundheitsrisiken des Klimawandels. Falls doch, werden Risiken meist eher randständig behandelt. Lediglich jeder sechste Spitzenverband informiert über Hitzewellen und jeder fünfte über UV-Belastungen. Jeweils nur jeder zehnte Verband thematisiert Extremwetterereignisse respektive Infektionsrisiken. Risiken durch Ozon und Allergene werden noch seltener angesprochen. Trotz der Relevanz auch für Indoorsportarten finden sich auf den Webseiten der betreffenden Spitzenverbände keine einschlägigen Informationen.SchlussfolgerungDer Klimawandel wird für die große Bevölkerungsgruppe der Sportler:innen ebenso wie für die entsprechenden Sportorganisationen weiter an Bedeutung gewinnen. Der bundesweite Webauftritt der Spitzenverbände wäre ein geeigneter Ort für zielgruppengerechte Gesundheitsinformationen.
Bewegungsanleitung und Ernährungsberatung bei Krebspatienten– Ergebnisse eines 5-Jahres-Follow-upGrabenbauer, Andrea Juliane; Meissner, Karin
doi: 10.1007/s11553-021-00885-2pmid: N/A
ZusammenfassungHintergrundInterventionen zur Verbesserung der körperlichen Aktivität und Ernährung erhöhen nachweislich die Lebensqualität von onkologischen Patienten. Langzeitergebnisse zu Interventionsstudien gibt es bisher wenige.Ziele der StudieDas Ziel dieser Studie war ein 5‑Jahres-Langzeit-Follow-up einer 3‑monatigen Interventionsstudie an onkologischen Patienten mit Bewegungstherapie und Ernährungsberatung.Patienten und MethodenNach 5 Jahren wurden 36 Patienten der Interventionsstudie erneut befragt. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde mittels des EORTC-QLQ-C30-Fragebogens erfasst. Des Weiteren wurden Fragen zum Bewegungsverhalten, zur Ernährung sowie zu soziodemographischen Faktoren gestellt.ErgebnisseNach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 61,5 (Spanne 41–80) Monaten gaben 35 von 36 teilnehmenden Patienten (94 %) positive Langzeiteffekte der Intervention auf ihre Einstellung zur körperlichen Aktivität und 26 Patienten (72 %) auf ihre Einstellung zu einer ausgewogenen Ernährungsweise an. 33 von 36 (92 %) Patienten waren mindestens einmal pro Woche körperlich aktiv, im Mittel 4,5-mal (Spannweite, 1–9) pro Woche über durchschnittlich 64 min. Im Vergleich zum Ausgangswert war die Lebensqualität signifikant verbessert (p < 0,001), jedoch nur bei Patienten mit mindestens 3 Bewegungseinheiten pro Woche.SchlussfolgerungenOnkologische Patienten zeigten 5 Jahre nach einer 3‑monatigen Bewegungsintervention mit Ernährungsberatung ein hohes Ausmaß an körperlicher Aktivität sowie eine anhaltende Sensibilisierung für gesunde Ernährung. Auch die Lebensqualität war nachhaltig verbessert, sofern mindestens 3‑mal pro Woche eine körperliche Betätigung von 60 min erfolgte.
Prävention von Ballsportunfällen an Schulen mittels eines „serious game“: Konzeptvorstellung und begleitende EvaluationRiemer, Valentin; Schrader, Claudia; Pollatos, Olga
doi: 10.1007/s11553-021-00886-1pmid: 40477299
ZusammenfassungHintergrundDie Zahl der Ballsportunfälle im Schulsport ist seit Jahren konstant hoch. Zu den Hauptursachen zählt mangelnde Gefahrenkenntnis und eine daraus resultierende geringe Risikowahrnehmung bei Schülerinnen und Schülern (SuS).Ziel der ArbeitEin Präventionskonzept wird vorgestellt, bestehend aus einem „serious game“ und didaktischen Begleitmaterialien für SuS und Lehrkräfte. Lernziele, Spielprinzipien und Anwendung in einem Blended-learning-Ansatz werden beschrieben. Zwei begleitende Evaluationsstudien und deren wichtigsten Ergebnisse werden berichtet.Material und MethodenMittels teilstrukturierter Interviews wurden in Studie 1 (nSuS = 92; nLehrkräfte = 9) Vorwissen und Erwartungen der Zielgruppen erhoben. Nach Entwicklung eines Spielprototyps wurde dieser in einer Studie 2 (nSuS = 13; nLehrkräfte = 8; nExpert*innen = 5) eingesetzt und mittels Online-Fragebogen das Spielerleben sowie Einstellungen zur Nutzung des Präventionskonzepts erfasst.ErgebnisseDie SuS zeigten nur geringes Vorwissen zu Gefahren im Ballsport an Schulen. SuS berichteten ein generell positives Spielerleben. Lehrkräfte zeigten eine positive Einstellung zum Präventionskonzept.DiskussionDie Erkenntnisse aus den Studien flossen im Sinne eines Design-based-research-Ansatzes direkt in die weitere Entwicklung ein. Es wird eine hohe Anwendungsbereitschaft für das Präventionskonzept angenommen. Die Effektivität des Konzepts ist in einer abschließenden Evaluationsstudie zu prüfen.
Achtsamkeit in der Schule (AISCHU)– Evaluation der Weiterbildung für Lehrkräfte zur StressreduktionKraft, Jana; Kaltwasser, Vera; Kohls, Niko
doi: 10.1007/s11553-021-00870-9pmid: 40478153
ZusammenfassungHintergrundPositive Effekte von achtsamkeitsbasierten Programmen im Kontext Schule wurden bereits vielfältig belegt. Das in dieser Studie evaluierte Konzept Achtsamkeit in der Schule (AISCHU) richtet sich an Lehrkräfte und SchülerInnen und soll deren Stresswahrnehmung und Selbstregulationsfähigkeit schulen. Im Fokus dieser explorativen Studie steht erstmals der präventive Nutzen der AISCHU-Weiterbildung für Lehrkräfte und deren psychische Gesundheit.MethodikEtablierte Messinstrumente bezüglich Stresserleben (PSQ), Burn-out-Gefährdung („Tedium measure“ (TM)), Wohlbefinden (WHO-5) und Achtsamkeit (FFA, MAAS) wurden im Prä-Post-Vergleich eingesetzt. Die Daten beziehen sich auf 36 Lehrkräfte unterschiedlicher Schulformen.ErgebnisseEs ergaben sich hinsichtlich aller untersuchten Messgrößen signifikante Verbesserungen mit z. T. großen Effektstärken.SchlussfolgerungIn dieser explorativen Pilotstudie zu AISCHU für Lehrkräfte konnten erstmals vielversprechende Hinweise auf die Wirksamkeit im Sinne von Stressreduzierung, Burn-out-Risikominimierung sowie Verbesserung der Lebensqualität bei belasteten LehrerInnen beobachtet werden.
Einsamkeit bei LeihgroßelternHaag, Sophie; Niederberger, Marlen
doi: 10.1007/s11553-021-00884-3pmid: N/A
ZusammenfassungHintergrundSoziale Kontakte nehmen im Alter stetig ab. Kritische Lebensereignisse, gesundheitliche Einschränkungen oder weite Entfernungen zu Familienmitgliedern bedingen diese Entwicklung. Um in dieser Lebensphase möglichen Gefühlen der Einsamkeit entgegen zu wirken, engagieren sich Ältere mitunter in der Freiwilligenarbeit. So bleiben sie in gesellschaftlichen Strukturen eingebettet und sind sozial integriert.ZielEine Möglichkeit des freiwilligen Engagements ist die Tätigkeit als Leihoma bzw. Leihopa, wie es in einer Mittelstadt in Baden-Württemberg angeboten wird. Das Projekt verspricht eine Vernetzung der Generationen und einen Beitrag zur intergenerativen Gesundheitsförderung. Die vorliegende Studie untersucht, welche Rolle Einsamkeit als Motivation zur Übernahme und Aufrechterhaltung der Tätigkeit als Leihoma oder Leihopa spielt.MethodeZur Datenerhebung wurden leitfadengestützte Interviews mit vier Leihgroßeltern durchgeführt. Die Interviews wurden wörtlich transkribiert und induktiv mit der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.ErgebnisseEinsamkeit erweist sich als zentrales Motiv für die Übernahme und Aufrechterhaltung der Aufgabe als Leihgroßeltern. Insbesondere die Zeit mit den LeihenkelInnen wird positiv bewertet. Die Tätigkeit in der Leihfamilie schaffe Befriedigung und unterstütze ein Gefühl der Zufriedenheit. Die Leihgroßeltern sind dankbar für die Möglichkeit, etwas Sinnvolles zu machen, sich aktiv in die Familie einbringen zu können und sind bereit, sich in die familialen Strukturen zu integrieren.SchlussfolgerungenDas Projekt eröffnet SeniorInnen die Chance, neuen Familienanschluss zu finden und Sozialkontakte, auch zu anderen Leihgroßeltern, aufzubauen. Doch die familiale Integration beschränkt sich mitunter auf die Zeit mit den Kindern.
SMARTMOVE– Einbezug von Familien in die Entwicklung und Implementierung digitaler GesundheitsangeboteEckert, Tobias; Wunsch, Kathrin; Fiedler, Janis; Woll, Alexander
doi: 10.1007/s11553-021-00873-6pmid: N/A
ZusammenfassungHintergrundDer Einsatz mobiler Technologien zur Steigerung des Gesundheitsverhaltens (mHealth) besitzt ein enormes Potenzial zur Förderung von Gesundheitsverhaltensweisen. Allerdings sind mHealth-Interventionen oftmals unzureichend theoretisch fundiert und in das soziale Umfeld der Nutzer eingebettet. Die Familie als ein natürliches soziales System, geprägt von sich gegenseitig verstärkenden Verhaltensweisen zwischen Eltern und Kindern, ist ein vielversprechendes Einsatzgebiet für mHealth-Interventionen.FragestellungFolgend soll im Rahmen von SMARTMOVE die Entwicklung und Umsetzung einer familienbasierten mobilen Applikation (App, SMARTFAMILY) als Best-practice-Beispiel dafür dargestellt werden, die Forschungslücke der fehlenden a) Nutzerpartizipation, b) Integration in das soziale Bezugssystem der Nutzer, c) theoretischen Fundierung und d) Verwendung adaptiver Echtzeitinterventionen („just-in-time adaptive intervention“) zu schließen.MethodikDie Integration evidenzbasierter Verhaltensänderungsstrategien („behaviour change techniques“) in einen kooperativen Ansatz ist ein möglicher Weg zur Förderung des individuellen Gesundheitsverhaltens in seiner natürlichen Umgebung. mHealth-Technologien bieten enorme Möglichkeiten, um Prädiktoren des Gesundheitsverhaltens (z. B. Stimmung, Schlaf) unter realen Lebensbedingungen zu erfassen („ecological momentary assessment“) und somit eine adaptive Verhaltensunterstützung in Echtzeit zu liefern.ErgebnisseEs werden eine hohe Nutzer-Akzeptanz und hohe Nutzungsrate der familienbasierten mHealth-Intervention erwartet.SchlussfolgerungDie Einbettung theoretisch fundierter Verhaltensänderungsstrategien in die soziale Umgebung im Zuge smartphonebasierter Interventionen ist ein innovativer sowie vielversprechender Ansatz zur Förderung eines aktiven Lebensstils. Die Implementierung und Evaluation von adaptiven Echtzeitinterventionen sind im nächsten Schritt erforderlich, um das Potenzial mobiler Technologien nachzuweisen.
Resilienzförderung bei Geschwistern von kranken und behinderten KindernEngelhardt-Lohrke, Christa; Kulisch, Leonard Konstantin; Schepper, Florian; Herrmann, Jessy; Herzog, Kristina; Martini, Julia
doi: 10.1007/s11553-021-00880-7pmid: N/A
ZusammenfassungHintergrundGeschwister von kranken/behinderten Kindern haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von psychischen Auffälligkeiten. Durch Befragung von Kursleitenden, Teilnehmenden am GeschwisterTREFF und ihren Eltern wurde untersucht, ob die Geschwisterkinder in Abhängigkeit von Geschlecht, Alter und Geburtenfolge in den Bereichen (1) Psychoedukation (Krankheitswissen), (2) Emotionsregulation (emotionale Probleme), (3) Selbst- und Fremdwahrnehmung (Selbstwert) sowie (4) soziale Unterstützung (soziale Integration) unterschiedlich stark profitieren.MethodikDer GeschwisterTREFF ist ein standardisiertes und evaluiertes Präventionsprogramm zur Förderung der Resilienz von Geschwisterkindern. Zunächst wurden 12 Kursleitende befragt, welche Geschwisterkinder (Jungen vs. Mädchen, jüngere vs. ältere Kinder, früher vs. später geborene Geschwister) in den resilienzfördernden Bereichen des GeschwisterTREFFs stärker profitieren. Weiterhin wurde anhand von Daten aus einer Multicenterstudie mit 97 Geschwisterkindern und ihren Eltern varianzanalytisch untersucht, ob Veränderungen in diesen Bereichen durch das Geschlecht, das Alter und die Geburtenfolge moderiert werden.ErgebnisseKursleitende haben die Erfahrung gemacht, dass Jungen sich stärker im Bereich Emotionsregulation und Mädchen sich stärker in der Selbst- und Fremdwahrnehmung verbessern und dass jüngere Teilnehmende stärker von der Psychoedukation und ältere Teilnehmende mehr im Bereich Selbst- und Fremdwahrnehmung profitieren. In der Evaluationsstudie zeigte sich, dass die Veränderungen im Bereich emotionale Probleme durch das Geschlecht (stärkere Prä-Post-Unterschiede bei Jungen) und im Bereich Krankheitswissen durch das Alter (Ältere gewannen mehr Krankheitswissen hinzu) moderiert wurden. Weiterhin zeigten früher geborene (vs. später geborene) Geschwisterkinder tendenziell eine stärkere Selbstwertsteigerung.DiskussionDurch Berücksichtigung dieser Eigenschaften können Geschwisterkinder zukünftig noch besser unterstützt werden. Beispielsweise könnte die Durchführung des Kurses in homogenen (vs. heterogenen) Gruppen vorteilhaft sein, sofern dies praktikabel ist.
Psychische Erschöpfung in sozialen Interaktionsberufen von 2006 bis 2018Bauknecht, Jürgen; Wesselborg, Bärbel
doi: 10.1007/s11553-021-00879-0pmid: 40477245
ZusammenfassungHintergrundAktuelle Gesundheitsreporte weisen auf eine erhöhte Rate an psychischen Erkrankungen bei den Beschäftigten in sozialen Interaktionsberufen hin. Dies spiegelt die hohen psychosozialen Anforderungen in diesen Arbeitsfeldern wider. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Bedeutung dieser Berufe fehlen vergleichende Zahlen zur Einordnung und Signifikanz der psychischen Erschöpfung bei Beschäftigten in diesen Bereichen.FragestellungDie Studie untersucht die psychische Erschöpfung bei Beschäftigten in den Arbeitsfeldern der Pflege, frühkindlichen Bildung, Schule, Soziale Arbeit und Polizei im Vergleich zu anderen Beschäftigten im zeitlichen Verlauf und unter Differenzierung des Geschlechts.Material und MethodenDie psychische Erschöpfung wird statistisch mit Hilfe eines etablierten Index und uni- und bivariaten Analysen analysiert. Genutzt werden die Daten der vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) durchgeführte „BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragungen – Arbeit und Beruf im Wandel, Erwerb und Verwertung beruflicher Qualifikationen“ von 2006, 2012 und 2018.ErgebnisseDie psychische Erschöpfung ist in allen sozialen Interaktionsberufen höher als bei anderen Beschäftigten. Am höchsten ist sie in den Pflegeberufen gefolgt von Erziehungspersonal, Lehrpersonal, Polizei und Beschäftigten der Sozialen Arbeit. In der Mehrheit der Berufe stieg die psychische Erschöpfung im Erhebungszeitraum von 2006 bis 2018 an.DiskussionDie Belastungssituation hat bei Beschäftigten in den sozialen Interaktionsberufen in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Maßnahmen zur Behebung der strukturellen Defizite und gesundheitsfördernde Maßnahmen sind notwendig um die Gesundheitssituation zu stabilisieren.