„Blaming the victim?“ Ergebnisse einer Vignettenstudie zur Stigmatisierung von HIV-positiven PersonenHaink, Michele; Jaworeck, Sandra; Kriwy, Peter
doi: 10.1007/s11553-021-00916-ypmid: N/A
ZusammenfassungHintergrundDie HIV(„human immundeficiency virus“)-Infizierten sind Diskriminierung in verschiedenen Bereichen ihres Lebens ausgesetzt. Ein Mechanismus der Stigmatisierung in diesem Zusammenhang basiert auf fehlendem Wissen über die Ansteckungswege von HIV.Ziel der ArbeitWahrgenommenes Eigenverschulden sowie verantwortungsbewusstes Verhalten bei einer HIV-Infektion werden als mögliche Ursache für die Einschätzung der sozialen Distanz gegenüber HIV-Infizierten untersucht.Material und MethodenDatengrundlage ist eine Online-Vignettenbefragung, an der insgesamt 135 Personen teilgenommen haben. Die Hypothesen werden mit clusterkorrigierten multiplen linearen Regressionen getestet.ErgebnisseWenn eine HIV-Infektion als vermeintlich selbst verschuldet wahrgenommen wird, so ist die soziale Distanz zu den Erkrankten größer. Ähnliche Distanzierung erfahren HIV-infizierte Personen, die beruflich eng mit Menschen zusammenarbeiten, z. B. Beschäftigte des Rettungsdienstes. Vor allem homosexuelle HIV-positive Männer werden stigmatisiert.SchlussfolgerungDie Stigmatisierung aufgrund von „victim blaming“ gegenüber HIV-Infizierten konnte in dieser Studie aufgezeigt werden.
Inanspruchnahme von gesundheitsfördernden und präventiven Angeboten für Menschen mit MigrationshintergrundDingoyan, Demet; Metzner, Franka; Usko, Nicole; Krause, Nina Ricarda; Kofahl, Christopher
doi: 10.1007/s11553-021-00915-zpmid: N/A
ZusammenfassungZiel der StudieMenschen mit Migrationshintergrund bilden eine heterogene Bevölkerungsgruppe, die sich in Bezug auf Gesundheitszustand und Gesundheitsverhalten, z. B. hinsichtlich der geringeren Inanspruchnahme von gesundheitsfördernden und präventiven Maßnahmen, von der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund unterscheidet. Die Studie untersucht Anliegen sowie hinderliche und förderliche Faktoren, die die Inanspruchnahme von gesundheitsfördernden und präventiven Angeboten durch Menschen mit Migrationshintergrund beeinflussen.MethodikProblemzentrierte Expert:inneninterviews mit sieben Fachkräften von Migrant:innenselbstorganisationen in Deutschland wurden durchgeführt und mithilfe einer strukturierenden Inhaltsanalyse ausgewertet.ErgebnisseAls hinderliche Faktoren in der Inanspruchnahme gesundheitsfördernder und präventiver Maßnahmen durch Menschen mit Migrationshintergrund zeigten sich insbesondere existenzielle Nöte, mangelndes Vertrauen, kulturelle Barrieren, Kommunikationsprobleme, Wissensdefizite, Schamgefühle sowie Diskriminierungserfahrungen. Die Expert:innen betonten die Bedeutung niedrigschwelliger Angebote, kultursensibler Öffentlichkeitsarbeit und einer guten Vernetzung mit den „Communities“.SchlussfolgerungenDie Ergebnisse bestätigen bekannte Herausforderungen und liefern darüber hinaus weitere Hinweise zur gelingenden Umsetzung von gesundheitsfördernden und präventiven Maßnahmen für Menschen mit Migrationshintergrund.
Unterschiede im Stresserleben von Studierenden und Zusammenhänge mit der Gesundheit. Ergebnisse einer PfadanalyseSendatzki, Saskia; Rathmann, Katharina
doi: 10.1007/s11553-021-00917-xpmid: N/A
ZusammenfassungHintergrundStudierende in Deutschland berichten aktuellen Studien zufolge häufig von Stress [12, 16, 38]. Erkenntnisse zu Zusammenhängen zwischen dem sozialen Hintergrund und dem Stresserleben [12, 16, 20, 27, 31, 38] sowie dem Stresserleben und der Gesundheit [8, 13, 18, 28] bei Studierenden liegen nurvereinzelt vor.Ziel der ArbeitDer Beitrag untersucht die Rolle sozialer Hintergrundmerkmale und des Stresserlebens für Indikatoren der selbstberichteten Gesundheit und des Gesundheitsverhaltens bei Studierenden. Der Beitrag geht der Frage nach, inwieweit das Stresserleben die Beziehung zwischen sozialen Hintergrundmerkmalen und den Indikatoren der Gesundheit vermittelt.Material und MethodenInsgesamt nahmen N = 1024 Studierende an einer Online-Erhebung an der Technischen Universität Dortmund im Jahr 2018 teil. Im Rahmen von uni-, bi- und multivariaten Analysen wurden Angaben von n = 850 Studierenden berücksichtigt.ErgebnisseEtwa die Hälfte der Studierenden berichtet von einem hohen Stresserleben, welches zwischen Studierenden mit geringer sozialer Unterstützung (Odds Ratio [OR] = 4,51), niedrigem subjektiven Sozialstatus (OR = 2,35), nicht ausreichenden Finanzen (OR = 2,04), beidseitigem Migrationshintergrund (OR = 1,84) und chronischen Erkrankungen (OR = 1,64) sowie Befragten der Referenzgruppen sozial ungleich verteilt ist. Studierende mit einem hohen Stresserleben weisen ein erhöhtes Odds Ratio für eine geringe Lebenszufriedenheit (OR = 8,47), häufige psychosomatische Beschwerden (OR = 6,91) sowie für eine schlechte selbstberichtete Gesundheit (OR = 3,21) und ein ungesundes Ernährungsverhalten (OR = 1,56) auf. Die Ergebnisse weisen zudem auf soziale Unterschiede im Gesundheitszustand und teilweise auch im Gesundheitsverhalten Studierender hin, welche geringfügig oder gar nicht durch das Stresserleben vermittelt werden.SchlussfolgerungenDer Beitrag zeigt, dass der soziale Hintergrund und das Stresserleben eine wichtige Rolle für den Gesundheitszustand Studierender spielen. Der soziale Hintergrund sowie das Stresserleben weisen eine jeweils eigenständigeBedeutung für die Gesundheit auf. Im Rahmen eines studentischen Gesundheitsmanagements sollten künftig zielgruppenspezifische Maßnahmen zur Stärkung des gesundheitsförderlichen Umgangs mit Stress umgesetzt werden.
Hochschulbeschäftigte in der CoronapandemieAllgayer, Kathrin; Bäßler, Carolin; Jutz, Regina; Niederberger, Marlen
doi: 10.1007/s11553-021-00898-xpmid: 40477305
ZusammenfassungHintergrundDie Coronapandemie erweist sich 2020/21 für die gesamte deutsche Bevölkerung als multidimensionaler Stressfaktor. Erste Studien deuten an, dass diese Zeit insbesondere für berufstätige Eltern mit Kind(ern) herausfordernd ist. Sie sind Belastungsfaktoren ausgesetzt, aus denen sich psychische, soziale und physische Gefährdungen ergeben können.Ziel der ArbeitUntersucht werden die Auswirkungen der Coronapandemie auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Hochschulbeschäftigten mit Kind(ern) im Kita- und Grundschulalter aus Sachsen (SN) und Baden-Württemberg (BW).MethodikMittels eines standardisierten Online-Fragebogens wurden Hochschulbeschäftigte in SN und BW zu ihrer Lebens- und Arbeitssituation in der Coronapandemie sowie ihrem subjektiven Wohlbefinden und ihrer Gesundheit befragt.ErgebnisseBesonders belastend nehmen die Befragten die Veränderung der sozialen Situation, die Verschlechterung der Balance zwischen Berufs- und Privatleben und das Verschwimmen der Grenzen zwischen Arbeits- und privater Zeit wahr. Die befragten Hochschulbeschäftigten in SN zeigen bei verschiedenen Belastungsfaktoren in Bezug auf die Arbeitssituation signifikant schlechtere Bewertungen als die Befragten in BW. In beiden Bundesländern geben jeweils mehr als die Hälfte der Befragten eher kritische Werte für ihr Wohlbefinden an.SchlussfolgerungDie Coronapandemie und die damit einhergehenden Schutzmaßnahmen haben negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Hochschulbeschäftigten mit Kind(ern) im Kita- und Grundschulalter. Inwieweit sich diese Effekte längerfristig zeigen, wenn beispielsweise strukturelle Maßnahmen im Bereich Homeoffice und Online-Lehre in Hochschulen verstetigt werden, ist zu prüfen.
Führen in der Krise– organisationales Krisenmanagement während der COVID-19-Pandemie („coronavirus disease 2019“) am Beispiel der Lebenshilfe TirolRiedel, Priya-Lena; Kulcar, Vanesse; Kreh, Alexander; Reiter, Martin; Juen, Barbara
doi: 10.1007/s11553-021-00914-0pmid: 40477394
ZusammenfassungHintergrundDie COVID-19-Pandemie („coronavirus disease 2019“) stellt im Gesundheitsbereich eine Herausforderung dar. Die Kenntnis organisationaler Schutz- und Risikofaktoren ist zentral zur Aufrechterhaltung des psychosozialen Wohlbefindens der Mitarbeitenden sowie der Versorgung von Klient:innen.ZielDas Ziel dieser qualitativen Untersuchung von Führungspersonal und Mitarbeiter:innen ist die Identifikation von spezifischen Schutz- und Belastungsfaktoren bei der Begleitung von Menschen mit Beeinträchtigung. Auf dieser Basis sollen Rückschlüsse auf notwendige Anpassungen der Führung in Krisensituationen möglich werden.MethodikZwischen Oktober und Dezember 2020 wurden online-basierte Expert:inneninterviews (n = 11) mit Mitarbeiter:innen der Lebenshilfe Tirol durchgeführt. Durch Anwendung der Grounded Theory wurde ein Modell zur Erklärung des Erlebens von Gesundheitspersonal sowie den Kontextfaktoren und Bewältigungsstrategien in der Behindertenbetreuung erstellt.ErgebnisseDas Stresserleben während der COVID-19-Pandemie war durch Unsicherheit und Überforderung charakterisiert, welche durch die Neuartigkeit der Situation, einem Übermaß an Informationen sowie veränderte Arbeitsbedingungen unter verringerter Partizipation hervorgerufen wurden. Positives Erleben war mit Sinnerfülltheit sowie flachen Hierarchien und der Identifikation mit der Organisation assoziiert. Durch eine Anpassung des Führungsverhaltens, der durch flache Hierarchien gekennzeichneten Organisation, hin zu direktiven Entscheidungen konnte erfolgreich auf die Pandemie reagiert werden.DiskussionDie Ergebnisse dieser Untersuchung weisen auf veränderte Anforderungen an das Führungsverhalten und einen Bedarf an verstärkter direktiver Führung während Krisen hin. Dabei erwiesen sich dezentrale Strukturen und ein laufender Dialog mit Mitarbeiter:innen, Klient:innen und Angehörigen als zentrale Resilienzfaktoren. Nur durch ausreichende Kommunikation und Inkludierung der Mitarbeiter:innen kann der Wechsel im Führungsstil akzeptiert werden.
Erhalt der Arbeitsfähigkeit von Patienten mit Multipler Sklerose in ÖsterreichEberharter, Mona-Elisa; Stummer, Harald
doi: 10.1007/s11553-021-00900-6pmid: N/A
ZusammenfassungHintergrundMultiple Sklerose (MS) führt bei etwa einem Drittel der Patienten zu einer frühzeitigen Pensionierung, wobei geringfügige Unterstützungsmaßnahmen seitens des Arbeitgebers bzw. des Staats MS-Patienten bei der Bewältigung ihrer Herausforderung im Arbeitsalltag helfen können. Das Ziel dieser Arbeit ist daher, Verbesserungsmöglichkeiten der staatlichen und betrieblichen Unterstützungsangebote für MS-Patienten am Arbeitsplatz in Österreich zu erarbeiten.MethodeBasierend auf den Auswertungen problemzentrierter Interviews mit zehn Experten aus dem Gesundheits- und Sozialwesen, die mit MS-Patienten zusammenarbeiten, werden Handlungsempfehlungen für Prävention und Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz für MS-Patienten erstellt.ErgebnisseDie Experten sprechen sich für Optimierungsmaßnahmen der staatlichen und betrieblichen Angebote aus, um eine höhere Wirksamkeit zu erreichen. Diese umfassen bei den staatlichen Hilfestellungen eine Erleichterung der Zugangsvoraussetzungen, den Ausbau finanziell geförderter Therapiemöglichkeiten sowie das Schaffen einer zentralen Anlaufstelle zur Beratung. Bei den betrieblichen Hilfestellungen sehen Experten einen Veränderungsbedarf bei der Informationsgabe und Aufklärung über MS in Betrieben, strukturierte Überlegungen zum Aufgabenbereich von MS-Patienten sowie Maßnahmen gegen Fatigue am Arbeitsplatz.SchlussfolgerungEine Kombination aus den bisher zur Verfügung stehenden Hilfsmaßnahmen mit den vorgeschlagenen Optimierungen bzw. Ergänzungen der Experten kann zu einer deutlichen Verminderung krankheitsspezifischer Ausfälle und Einschränkungen führen, woraus wiederum der Erhalt der Arbeitsfähigkeit resultiert.
Optimierung der Verpflegung in Kita und GrundschuleNiederberger, Marlen; Nowitzki-Grimm, Susanne; Werner, Lisa; Schleicher, Katja; Lührmann, Petra
doi: 10.1007/s11553-021-00901-5pmid: 40477524
ZusammenfassungHintergrundIm Rahmen von „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ will das Projekt „Optimierung der Verpflegung in Kita und Schule“ wirksame Impulse in der Verhaltens- und Verhältnisprävention setzen und die Verknüpfung von Ernährungsbildung und Verpflegung in Kita und Grundschule voranbringen. Im Jahr 2019 gab das Landeszentrum für Ernährung Baden-Württemberg an der Landesanstalt für Landwirtschaft, Ernährung und Ländlicher Raum eine wissenschaftliche Evaluation der Umsetzung des Projekts in Baden-Württemberg in Auftrag.Ziel der ArbeitDen Abschluss der methodenintegrativen Evaluation bildete ein Delphi-Verfahren, bei dem konsentierte Handlungsempfehlungen zur Optimierung der Verpflegung in Kita und Grundschule identifiziert wurden. Hierzu wurden Expert*innen um ihre Urteile zur Qualität des Verpflegungsangebots, zur Vernetzung relevanter Akteur*innen, zur formalen Ernährungsbildung und zur strukturellen Verankerung der Verpflegung gebeten.MethodikDurchgeführt wurde ein dreistufiges online-basiertes Delphi-Verfahren. In zwei Befragungsrunden wurden die am Projekt beteiligten Praxisakteur*innen und externe Wissenschaftler*innen standardisiert befragt. Im Anschluss wurde ein Online-Workshop durchgeführt, bei dem dissente Urteile der vorherigen Befragungen offen mit den Expert*innen diskutiert und mögliche Hintergründe eruiert wurden.Ergebnisse und DiskussionDie Expert*innen sind sich einig, dass eine gesundheitsförderliche Kita- und Schulverpflegung für das informelle Lernen wichtig ist und mit der formalen Ernährungsbildung verknüpft werden sollte. Für die Umsetzung sehen sie eine zentrale Rolle bei Kita- bzw. Schulleitungen und festen Ansprechpersonen in den jeweiligen Einrichtungen. Einen Handlungsbedarf sehen die Expert*innen in der Sensibilisierung, Beteiligung und Schulung verschiedener Akteur*innen sowie im Ausbau der Unterstützungsangebote für Kita und Grundschule.
Online-Elterntraining für die Behandlung von Kindern mit externalisierenden Verhaltensproblemen und affektiver DysregulationRitschel, Anne; Döpfner, Manfred; Schürmann, Stephanie; Plück, Julia; Meyer, Hanna; Schottel, Marie; Ravens-Sieberer, Ulrike; Roessner, Veit; Banaschewski, Tobias; Görtz-Dorten, Anja; Kölch, Michael; Treier, Anne-Katrin; Hanisch, Charlotte
doi: 10.1007/s11553-021-00903-3pmid: N/A
ZusammenfassungHintergrundAufmerksamkeitsdefizit‑/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder oppositionelle Verhaltensstörung (OPP) gehen mit unruhigem, oppositionellem und aggressivem Verhalten, negativen Interaktionen zwischen Kind und Eltern und langfristig häufig mit belasteten Eltern-Kind-Beziehungen einher. Kognitiv-behaviorale Elterntrainings, die für die Behandlung externaler Störungen als evidenzbasiert gelten, versuchen problematische situative und Verstärkerbedingungen sowie negative Interaktionen zwischen Eltern und Kindern zu verändern.ZielEs sollen Online-Selbsthilfetrainings für Eltern von Kindern mit externalisierenden Verhaltensproblemen entwickelt werden.MethodeBestehende Face-to-face-Elterntrainings wurden in Online-Formate überführt und inhaltlich erweitert. Eine Wirksamkeitsuntersuchung erfolgt im Rahmen von randomisierten Kontrollstudien.ErgebnisseDer ADHS-Elterntrainer richtet sich an Eltern von Kindern mit subklinischen sowie klinisch relevanten ADHS-Symptomen sowie ggf. komorbid weiteren externalen Symptomen. Er zielt darauf ab, Störungsverständnis aufzubauen, die elterliche Steuerung zu erhöhen und die Eltern-Kind-Beziehung zu verbessern. Bei Kindern mit Emotionsregulationsstörungen, sog. affektiver Dysregulation, ist darüber hinaus die elterliche Unterstützung beim Erwerb funktionaler Emotionsregulationsstrategien nötig. Für das ADOPT-Online-Elterntraining (affektive Dysregulation – Optimierung von Prävention und Therapie), das sich an Eltern von Kindern mit affektiver Dysregulation richtet, wurde das Konzept des ADHS-Elterntrainers um Interventionen zum Umgang mit negativen Gefühlen des Kindes und der Eltern erweitert.DiskussionBei entsprechend positiven Effekten auf die kindliche Symptomatik innerhalb der Evaluationsstudien könnte das ADOPT-Online-Elterntraining wie bereits beim ADHS-Elterntrainer geschehen im präventiven oder therapeutischen Setting eingesetzt werden.
Die Klassenwiederholung als kritisches Lebensereignis für das Wohlbefinden von Schulkindern an weiterführenden Schulen?Vockert, Theres; Loter, Katharina; Herke, Max; Richter, Matthias; Rathmann, Katharina
doi: 10.1007/s11553-021-00907-zpmid: N/A
ZusammenfassungHintergrundIn Deutschland erlebt knapp ein Fünftel aller Schulkinder (18,1 %) eine Klassenwiederholung, die häufig als kritisches Ereignis wahrgenommen wird. Der Effekt auf das Wohlbefinden wurde bislang kaum untersucht.FragestellungWelche Bedeutung hat eine Rückversetzung und Klassenwiederholung für das Wohlbefinden von Schulkindern an weiterführenden Schulen, differenziert nach Schulform sowie Ab- und Aufwärtsmobilität (Schulwechsel an eine Schule mit niedrigerem beziehungsweise höherem Bildungsabschluss)?Material und MethodeDatenbasis bildet die Startkohorte 3 ab Klasse 5 (Welle 1 bis 9, n = 3738 aus 280 Schulen) des Nationalen Bildungspanels (NEPS), welche mittels Fixed Effects Regressionen ausgewertet werden.ErgebnisseDie Ergebnisse zeigen kurzfristig negative und mittel- und langfristig positive Effekte der Klassenwiederholung auf das Wohlbefinden von Schulkindern aller Schulformen, mit Ausnahme der Hauptschule. Auch bei Schulkindern, die an eine Schule mit niedrigerem Bildungsabschluss wechselten, zeigt sich eine positive Entwicklung des Wohlbefindens nach einer Klassenwiederholung.SchlussfolgerungenDie Studie weist darauf hin, dass bei der Entwicklung von Maßnahmen zur Förderung des Wohlbefindens von Klassenwiederholer*innen auf unterschiedliche Schulformen und mögliche Schulformwechsel eingegangen werden sollte.
Gesundheit– digital und inklusiv: eine Lernsoftware barrierearm gestaltenSube, Lena; Bröhl, Jessica; Kadatz, Lisa; Klose, Inga; Frings, Stefanie; York, Jana
doi: 10.1007/s11553-021-00896-zpmid: 40477308
ZusammenfassungHintergrundDer Kompetenzerwerb in den Bereichen Arbeitsschutz und Gesundheit ist für Menschen mit Lernschwierigkeiten auf Grund vielfältiger Barrieren erschwert. Die softwarebasierte Vermittlung von gesundheitsbezogenen Kompetenzen stellt eine Möglichkeit dar, die Barrieren in der Gesundheitsbefähigung abzubauen.MethodikEs wurden drei leitfadengestützte Fokusgruppengespräche mit Beschäftigten mit Lernschwierigkeiten und Mitarbeitenden einer WfbM (Werkstatt für Menschen mit Behinderung) der Recklinghäuser Werkstätten GmbH geführt. Im Rahmen dessen wurden Kenntnisse zu Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz sowie die bevorzugte Lernmethode erfragt. Außerdem wurden Gestaltungskriterien und Entwürfe für barrierefreie Lerninhalte diskutiert. Hierfür stand die Lernsoftware sam® von secova GmbH & Co. KG, Rheine, beispielhaft zur Verfügung. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden in die Revision der Lerninhalte einbezogen und als Handreichung für die barrierefreie Gestaltung digitaler Lerninhalte für die Zielgruppe mit Lernschwierigkeiten aufbereitet.ErgebnisseAnhand multimedialer Inhalte sollte eine didaktische Vielfalt angeboten werden. Zum besseren Verständnis sollten hierbei vereinfachte Sprache und Symbolbilder sowie eine kontrastreiche und übersichtliche Gestaltung verwendet werden. Der Fokus sollte auf den individuellen Bedürfnissen der Adressierten sowie den Gegebenheiten der Einrichtung liegen. Zum Abbau von Barrieren sollten verschiedene didaktische und multimediale Materialien zur Wissensvermittlung genutzt werden.SchlussfolgerungDer Einsatz der Handreichung ist auch in anderen Kontexten vorstellbar und sollte in der Praxis evaluiert werden.